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2012

17.12.2012  Dataport Mitarbeiterzeitung 'intern' Zurück zur Übersicht

Auf der Suche nach Thermik

Gute Thermik unter dicken Quellwolken: Holger Hauschildt schwebt mit seiner ASK 21 über Schleswig-Holstein. (Foto: Heiko Scharffenberg)

Die Trosse zur Seilwinde strafft sich und mit einem kräftigen Ruck setzt sich das Segelflugzeug in Bewegung. Mit etwa 80 Stundenkilometern schießt der Flieger über die grüne Wiese und erhebt sich dann im 45-Grad- Winkel in die Luft über Aukrug in der Nähe von Neumünster. Auf einer Höhe von 350 Metern klinkt sich das Stahlseil aus und entlässt die ASK 21 in den Freiflug. Am Steuerknüppel des Fliegers sitzt Holger Hauschildt, Abteilungsleiter Client Hard- und Softwaremanagement von Dataport. Der 56-Jährige ist leidenschaftlicher Segelflieger und verbringt viel Freizeit auf dem Segelflugplatz bei seinem Wohnort Aukrug in Schleswig-Holstein. Heute ist ein guter Flugtag. Dicke wattige Quellwolken am Himmel versprechen eine gute Thermik. Zielsicher lenkt Holger Hauschildt den Flieger unter eine der Wolken, wo warme Luft vom Boden nach oben steigt. In dieser Thermik lässt er die AKS 21 kreisen und schraubt das Flugzeug so langsam und beharrlich weiter nach oben. „Segelfliegen hat viel mit Erfahrung zu tun“, sagt der zweifache Familienvater. Im Laufe der Jahre hat er gelernt, das Wetter und die Flugbedingungen am Himmel zu lesen.

Eine Begeisterung für das Fliegen hatte Holger Hauschildt schon immer. Sein Vater war Flieger im Zweiten Weltkrieg. „Aber nach den Kriegserlebnissen hat er sich nie wieder in ein Flugzeug gesetzt“, erzählt Holger Hauschildt. Er selbst bewarb sich als junger Mann für eine Pilotenausbildung bei der Lufthansa, was aber nicht klappte. Und so entschied er sich für eine Laufbahn in der IT, die ihn über die Datenzentrale und das Justizministerium Schleswig-Holstein zu Dataport führte. Vor knapp zehn Jahren erfüllte er sich den Traum vom Fliegen dann aber doch noch: Als sein damals 14-jähriger Sohn in den nahegelegenen Segelflugclub Aukrug eintreten wollte, ging er mit. Ein gemeinsames Hobby mit den Kindern ist für Väter schließlich eine tolle Sache. Doch während sein Sohn seine aktive Fliegerkarriere schon bald wieder beendete, blieb Holger Hauschildt bei dem faszinierenden Hobby hängen.

Die Sicht ist fantastisch. Das Segelflugzeug schwebt jetzt in gut 1.100 Metern Höhe knapp unter den Wolken. Aukrug liegt ziemlich zentral in Schleswig-Holstein und man kann nach Norden bis zum Nord-Ostsee- Kanal und zur Eckernförder Bucht sehen. Im Süden ist die breite Elbmündung deutlich zu erkennen und in Richtung Osten erstreckt sich die Kieler Förde. Sogar das Dataport-Gebäude in Altenholz ist am Horizont als heller Fleck zu vermuten. Wie bei der Arbeit ist Holger Hauschildt auch als Pilot ein ruhiger und besonnener Typ. Gewagte Manöver und ehrgeizige Langstreckenflüge sind nicht sein Ding. „Segelfliegen ist für mich vor allem Entspannung und Ausgleich“, sagt er. In der Luft ist man abgeschnitten von all dem hektischen Alltagstreiben da unten, kann sich im wahrsten Sinne des Wortes treiben lassen. Die Naturgewalten sind hier oben der einzig bestimmende Faktor. Man kann erahnen, warum Fliegen geradezu süchtig machen kann. Die Maschine fliegt einen Bogen über Neumünster. Was von unten so erhaben und gemächlich aussieht, ist in Wirklichkeit ein Sport, der permanent höchste Konzentration erfordert. Bei teilweise hohen Geschwindigkeiten muss der Segelflieger sicher beherrscht, der Luftraum beobachtet und der Kurs berechnet werden. In der Weite des Himmels fällt das nicht auf: Was sind hier oben Zeit und Raum? Die Thermik ist für einen September- Tag hervorragend. An schlechten Tagen endet ein Segelflug manchmal schon nach nicht einmal zehn Minuten, heute ist Holger Hauschildt in der ASK 21 schon eine knappe Stunde in der Luft und könnte locker noch länger oben bleiben. „Dass das nicht genau planbar ist, macht auch den Reiz des Segelfliegens aus“, sagt er. Deshalb verbringen die rund 65 Vereinsmitglieder des Segelflugclubs auch meistens den ganzen Tag auf dem Flugplatz. Holger Hauschildt ist in der Flugsaison in der Regel an einem der beiden Wochenendtage da. Das ist eine Absprache mit seiner Frau, die mit Fliegen so gar nichts am Hut hat. Auch wenn man nicht fliegt, ist im Club genug zu tun: Die Seilwinde muss bedient, gelandete Flugzeuge zurückgezogen werden, ein außerhalb des Platzes gelandetes Flugzeug zurückgeholt werden. Für Holger Hauschildt ergibt das eine erholsame Mischung. „Man ist den ganzen Tag an der frischen Luft und mit netten Leuten zusammen“, erklärt er, warum Segelfliegen keineswegs etwas für Eigenbrötler ist.

Nach einem rasanten Sinkflug mit über 200 Stundenkilometern setzt die ASK 21 zur Landung an, dem schwierigsten Teil des Fluges. Für Holger Hauschildt als erfahrenen Piloten ist das Routine. Gut austariert nähert sich das Segelflugzeug mit immer noch gut 80 km/h im flachen Winkel der Rasenlandebahn. Mit einem lauten Rumpeln setzt das Rad des Fliegers auf dem holprigen Grund auf und man wird beim Ausrollen nochmal kräftig durchgeschüttelt. Dann steht der Flieger. Holger Hauschildt löst den Fallschirmgurt und öffnet die Plexiglashaube. „Ein gelungener Flug“, sagt er zufrieden und befestigt das Schleppseil am Flieger, damit er gleich zurück in die Startposition gezogen werden kann. Denn nach dem Flug ist vor dem Flug. Wer es einmal gemacht hat, muss es immer wieder tun

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