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1989

06.05.1989  Holsteinischer Courier Zurück zur Übersicht

Nach langem Dienst an der Winde ein Flug mit „Baby”

Wer mal ein richtiger Pilot werden will, muß sich schon früh mit der Materie vertraut machen
Leise und umweltfreundlich gleiten die Segelflugzeuge durch die Lüfte über Aukrug Fotos: Westphal

Von unserer Mitarbeiterin Natalie Westphal

 

AUKRUG. Wie macht ein Segelflugzeug das — ohne Motor stundenlang in der Luft zu bleiben und über 1000 Kilometer weit zu fliegen? Beim Segelfliegen werden die Aufwinde ausgenutzt. Je nachdem, wie erfahren der Segelflieger ist, kann er die Wetterlage einschätzen und weiß auch im Flug, wo er am ehesten einen Aufwind erwischt. Orientieren kann sich der Pilot dabei zum Beispiel an Greifvögeln oder Störchen.

Aufwinde, warme aufsteigende Luft, finden sich vor allem über Städten, Sandflächen und Feldern, weniger über Wäldern und Seen. In Aukrug gibt es von allem etwas. Wenn die Mitglieder des Segelflugvereins Aukrug Glück haben, finden sie auch Aufwinde, wenn die Sonne die Luft nicht so sehr erwärmt hat. Mit einer Seilwinde am Ende des über einen Kilometer langen Startfeldes wird das Segelflugzeug 500 Meter hochgezogen. Dann klinkt der Pilot das Seil aus und versucht, einen Aufwind zu finden. Ist das nicht der Fall, kann er etwa fünf Minuten gleiten und muß dann wieder landen. Der Motor der Seilwinde hat 280 Pferdestärken.

Jedes Vereinsmitglied muß ein paar Stunden die Seilwinde bedienen, das gehört dazu. Wenn jemand besonders lange oder mehrere Tage hintereinander nur auf der Winde gesessen hat, darf er als „Belohnung" auch mal die „Grunau Baby 2b” fliegen. Dieses Flugzeug, liebevoll einfach „Baby” genannt, ist das älteste Stück und einziges Holzflugzeug des Vereins. Es wurde 1955 gebaut und fliegt nur 50 Kilometer pro Stunde. Die neueren Segelflugzeuge aus Kunststoff sind bis zu 80 Kilometer pro Stunde schnell. Die Haltung des Holzflugzeuges ist sehr teuer, daher hat der Verein vor, es an eine Haltergemeinschaft zu verschenken. Aber vorher wird es den Verein noch zu Pfingsten beim „Babytreffen” in Hoja/Niedersachsen vertreten.

Der Aukruger Segelflugverein besteht seit 1973 und hat etwa 40 aktive und 15 passive Mitglieder. Ihnen stehen fünf vereinseigene Flugzeuge zur Verfügung. Einige Aukruger haben auch eigene Maschinen auf dem Segelflugplatz stehen. Den Flugschein kann man schon mit 17 Jahren machen, die Ausbildung dafür dauert zwei Jahre. Jeweils am Wochenende werden die angehenden Segelflugpiloten unterrichtet. Der Flugschein muß alle zwei Jahre verlängert werden, dazu muß der Pilot sich von einem Arzt ein Tauglichkeitszeugnis ausstellen lassen und mindestens 30 Starts oder zehn Flugstunden vorweisen.

Einige der Aukruger Segelflieger nehmen in diesem Jahr an den „Deutschen Meisterschaften im Streckenflug für Schleswig-Holstein” teil. 1988 war es nur Dag Pauschardt (18), der seit vier Jahren im Verein ist. „Aber im letzten Jahr haben fünf junge Leute ihren Flugschein gemacht, und da sind die Mei-

sterschaften ein echter Ansporn”, sagte Dag Pauschardt.

Damit der Flug für die Meisterschaften gewertet wird, muß der Pilot vorher genau angeben, wohin er fliegen will, und muß dann den Zielpunkt fotografieren. Wichtig dabei ist, daß er nur einen vorgegebenen Sektor aus einem bestimmten Sichtwinkel aufnimmt. Außerdem muß die Tragfläche mit auf dem Foto sein.

Aukrug liegt in einem Tieffluggebiet der Luftwaffe, daher ist das Segelfliegen hier nur an den Wochenenden und nach 17 Uhr erlaubt. Am Wochenende sind die ersten Flieger schon gegen 9 Uhr auf dem Platz, so daß sie schon um 11 Uhr mit den Starts beginnen können. Bis Sonnenuntergang ziehen sie dann im Sommer ihre Kreise über Aukrug. Die Flugsaison dauert etwa von April bis Oktober. Im Winter sind die Mitglieder damit beschäftigt. die Segelflugzeuge in der Werkstatt unter der Leitung von Gunnar Schreiber wieder auf Vordermann zu bringen.

Bei günstigen Wetterbedingungen können die Segelflugzeuge eine Höhe bis zu 2000 Metern erreichen. In starken Aufwinden ist eine Steigungsgeschwindigkeit von fünf Metern pro Sekunde leicht möglich. Nicht in jedem Flugzeug ist ein Kompaß, daher müssen sich die Piloten bei Überlandflügen nach Straßen. Flüssen oder Gebäuden richten. Aber Funk gibt es in jedem Flugzeug.

Gäste sind auf dem Aukruger Segelflugplatz immer willkommen. Ein Rundflug über Aukrug kostet 20 Mark. Bei guter Sicht kann man sogar die Elbe sehen. Angst vor einem Segelflug braucht man nicht zu haben. Es passiert so gut wie nie, daß ein Segelflugzeug abstürzt. Und selbstverständlich sind sowohl die Piloten als auch die Gäste durch Fallschirme abgesichert.

Termine:
6. bis 20. Juli: Fliegerlager in Pritzwalk-Sommersberg
Zusammen mit dem Dithmarscher Luftsportverein planen wir ein Fliegerlager. Es werden noch Piloten und Fluglehrer ...
30. Juli: Fliegen für Fereinpassinhaber und eine Gruppe Lehrkräfte
Peter bietet ab Vormittags einen Flugtag für Ferienpasskinder aus Todenbüttel und am späten Nachmittag für eine ...

Presse: 25.05.2019
Aukrugs Pilotennachwuchs nutzt Wetterchancen
Aukrug – Der Segelflug Aukrug verzeichnet einen ungewöhnlich hohen Zuwachs an neuen Mitgliedern. Auf dem Aukruger Segelfluggelände wird fleißig ausgebildet und trainiert, denn auch hier haben Flugschüler und Piloten große Ziele...