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22.10.2009  Kieler Nachrichten Zurück zur Übersicht

Kieler Tornado-Pilot wird vom Jäger zum Gejagten

Der Kieler Pilot Stefan Müller flog seinen letzten Einsatz im Tornado für die Marine. Jetzt wechselt er von Jagel nach Holtenau. Foto: FB

Ein Artikel mal nicht zum Thema Segelfliegen: Der Aukruger Segelfluglehrer Stefan Müller fliegt künftig als Zielobjekt für Marine und Heer.

Jagel/Kiel - Dass Dröhnen der Triebwerke konnten alle Gäste am Boden deutlich vernehmen. Die letzte Runde von Oberstleutnant Stefan Müller über dem Flugplatz Jagel verdeckte die niedrige Wolkendecke. Nach 2300 Flugstunden stieg der Kieler Pilot am Mittwoch zum letzten Mal aus dem Cockpit des Kampfjets. Den Steuerknüppel gibt er aber nicht aus der Hand, er wird Berufspilot in Kiel-Holtenau.

Der letzte Tag in Luftwaffen-Uniform begann für Stefan Müller mit einer Aufgabe, für die er vor 15 Jahren zur Bundeswehr gegangen war. „Der erste Flug war für die Marine. Es war ein Einsatz im Rahmen des Manövers Northern Coast“, berichtet Müller, nachdem er den Helm abgenommen hat. Mit der Marine verbindet den Kieler viel. Als Wehrpflichtiger kam er 1992 zur Marine. Noch während des Wehrdienstes entschied er sich zur Verpflichtung und zur Ausbildung zum Flugzeugführer. Jedoch nicht, wie sein Vater Peter es gern gesehen hätte, bei der Luftwaffe. „Ich war dort ja Pilot und hätte es gern gesehen, wenn er auch zur Luftwaffe gekommen wäre“, schildert der Vater. Fliegen wollte der Sohn ja - aber bei der Marine. Deshalb kam nach der Offiziersausbildung auf der „Gorch Fock“ und einer Verwendung auf einem Schnellboot die Ausbildung zum Marineflieger. Bis 2006 flog er dann Tornado-Jets mit dem Anker am Rumpf und dem Wappen des Marinefliegergeschwaders 2 aus Eggebek. Nach der Auflösung dieses Kampfverbandes wechselte er als einer der wenigen Marineflieger zum Aufklärungsgeschwader 51 „Immelmann“ nach Jagel. Damit wurde aus dem Korvettenkapitän ein Oberstleutnant. Die Höhepunkte waren in der Dienstzeit besonders die Auslandseinsätze. „Kanada, Puerto Rico und zweimal Afghanistan gehören da natürlich dazu“, erinnert sich Müller, der auch nach der Tornado-Zeit in der Fliegerei bleibt. Schon nächste Woche startet er in Kiel-Holtenau. Bei der dort ansässigen Firma E.I.S. Aircraft wird Stefan Müller als Pilot beginnen. Dabei wird er wieder das tun, was er schon als Marineflieger gern tat: „Fliegen über See ist einfach etwas Besonderes“, sagt er. Die in Holtenau stationierten Maschinen vom Typ Pilatus PC-9 werden für die Marine und das Heer als Zieldarstellungsflugzeuge genutzt. Der Umstand, dass Müller dabei vom „Jäger“ zum „Gejagten“ wird, kann er gut verschmerzen. „Diese Aufgabe ist auch sehr reizvoll. Außerdem ist der Weg zur Arbeit kürzer“, sagt Müller.

URL: http://www.kn-online.de/schleswig_holstein/aus_dem_land/?em_cnt=119591&em_loc=13

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