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2007

19.10.2007  Norddeutsche Rundschau Zurück zur Übersicht

Leidenschaftlicher Segelflieger – mit 15 Jahren

Sebastian Fölster (18) als Pilot mit Bruder Johannes (15) als Begleitperson.
Noch hält der 15jährige Johannes Fölster ein Modelflugzeug in Händen - ein eigenes Segeflugzeug wäre sein Traum. Foto: Reuter
Ankündigung des Berichts auf der Titelseite

Willenscharen

– „Ich kenne ihn gar nicht mehr“, schmunzelt Mutter Uschi Fölster. Denn ihr 15-jähriger Sohn Johannes ist jeden Samstag und Sonntag auf dem Segelflugplatz in Aukrug. Doch bis er selbst Flugstunden nehmen konnte, musste er sich zunächst zwei Jahre gedulden.

 

Als Johannes das erste Mal in einem Segelflugzeug mitgeflogen war, war er gerade mal zwölf Jahre jung. Zu jung, um gleich selbst Flugstunden nehmen zu können, denn das ist erst ab 14 Jahren möglich. Doch alt genug, um von dem „Fliegervirus“ befallen zu werden. So musste sich der flugbegeisterte Jugendliche zunächst geduldig mit dem Mitfliegen begnügen. Das tat er auch gern und öfter mit seinem inzwischen 18-jährigen Bruder Sebastian.

 

Und trotzdem behielt Johannes sein Ziel immer im Auge: am 3. September 2006 wurde er 14 Jahre alt und am 9. September stand er mit ausgefüllten Formularen „startbereit“ auf dem Aukruger Segelflugplatz. Es konnte losgehen – endlich! Inzwischen hat er an die 150 Starts und über 15 Flugstunden absolviert und eine Prüfung nach der anderen gemeistert. Bei seinem 54. Start am 14. April ist er das erste Mal allein geflogen und meisterte die A-Prüfung mit Themen wie Transport und Montage, Kurvenflug über 30 Grad Querneigung bis zum Landeanflug. Mit den Starts 112 bis 114 absolvierte er im August mit dem Flugzeug KA 8 die B-Prüfung mit gleichbleibenden Kreisflügen bei wechselnder Querneigung von 30 bis 45 Grad und beispielsweise Thermikflüge. Diese Prüfung hätte Johannes gern schon früher gemacht, aber die KA 8 wiegt nur 190 Kilogramm im Vergleich zu den sonst 300 bis 500 Kilogramm schwereren Segelflugzeugen und „da müssen die Windverhältnisse bei einem so leichten Flugzeug schon stimmen“. Nachdem er in nur drei Tagen zehn weitere Starts hingelegt hatte, stellte er sich bereits am 14. August der C-Prüfung, die Mustereinweisungen, Startunterbrechung und 30 Minuten Allein-Segelflug beinhaltet. Der inzwischen 15-jährige Willenscharener ist damit der Jüngste Flieger im Segelflugclub Aukrug, der allein fliegen darf – aber nur, wenn immer ein Fluglehrer vom Boden aus „dabei ist“.

 

Mit der C-Prüfung hatte Johannes die Qualifikation, Anfang September am Jugendvergleichsfliegen in Neumünster teilzunehmen. Die Zusage erhielt er nur wenige Tage vor der Veranstaltung. Mit seinem 19. Platz von 26 Teilnehmern aus ganz Schleswig-Holstein ist er sehr zufrieden, denn „ich hatte keine Zeit mehr zum Üben und einige Piloten auf den nachfolgenden Plätzen hatten schon viel mehr Flugerfahrung“. Nun arbeitet er auf den 50-Kilometer-Flug hin. Dafür muss er allerdings zu seinen bereits 39 absolvierten Theoriestunden noch einmal die gleiche Menge nachweisen. „Der Winter ist lang“ schmunzelt Johannes und will sich eifrig der Theorie widmen. Wenn er dann auch noch das Sprechfunkzeugnis in Händen hält, ist er von seinem Traumziel, den Pilotenschein mit 16 zu haben, nicht mehr weit entfernt.

 

Was hat er sonst noch für Träume? Pilot oder Fluglehrer möchte er werden – was für eine Frage?! Mit 18 Jahren möchte er den Kunstflugschein machen und Wettbewerbe fliegen. Ach ja, – irgendwann einmal ein eigenes Flugzeug, wie das Hochleistungsflugzeug DG 808, zu besitzen, wäre natürlich die Erfüllung. Doch viele Träume hat er auch schon gelebt: sein bisher längster Flug dauerte knapp eineinhalb Stunden, und als tolles Erlebnis schilderte er sein erstes Fliegerlager in Kamenz, wo aufgrund der guten Thermik schon ein Steigen bis auf 3000 Meter Höhe möglich ist. Und morgens um 5 Uhr mit dem Segelflugzeug dem Sonnenaufgang entgegen zu fliegen, sei ebenfalls ein absolutes Highlight. „Wenn ich vom Flugplatz wieder nach Hause komme, bin ich immer total zufrieden und entspannt“,erklärt Johannes.

 

Frauke Reuter


So funktioniert Segelfliegen

Von einer Winde gezogen (wie auf dem Flugplatz Aukrug) dauert es nur 20 bis 30 Sekunden, um auf anfänglich 300 Metern in die Lüfte zu steigen. Während des Fluges versucht der Pilot, Thermik – von der Sonne erwärmte, aufsteigende Luft, meist unter Quellwolken (Cumuluswolken) – zu finden. Durch Kreisen innerhalb des Aufwindes – dem sogenannten „Bart“ – wird Höhe gewonnen. Segelflugzeuge brauchen zum Fliegen keinen Wind. Das Flugzeug setzt Flughöhe in Flugstrecke um – so lange, bis es landen muss. Von Hightech ist bei diesen 200 bis 500 Kilogramm leichten Geräten allerdings keine große Spur. Lediglich ein Kompass, Höhenmesser, Fahrtenmesser, Variometer und manchmal auch ein Kollisionswarngerät dienen als Flughilfe. Dass der Pilot einen Fallschirm trägt und ein Funkgerät mit an Bord hat, versteht sich von selbst.

Termine:
19. Februar: Jahreshauptversammlung
Wichtige Themen wie der Jahresrückblick mit Status zu Mitgliederentwicklung, ...
11. März: Mitgliederversammlung des Luftsportverbandes Schleswig-Holstein
Der Luftsportverband Schleswig-Holstein e.V. lädt alle Mitglieder zur jährlichen ordentlichen Mitgliederversammlung ...

Presse: 06.11.2011
Aukruger Pilot erzielt zweiten Platz beim Bundes Jugendvergleichsfliegen
Einen großen Erfolg erzielten die jugendlichen Segelflugpiloten aus Aukrug beim Jugendvergleichsfliegen auf Landes- und Bundesebene.