2000-2009
| 13.03.2006 Kieler Nachrichten | Zurück zur Übersicht |
Flieger wollen Jugendliche in die Luft gehen lassen Luftsportvereine werben gezielt um Nachwuchs - Segelflug schon mit 14 Jahren möglich
Kiel – Die Luftsportvereine wollen wieder mehr Jugendliche ins Cockpit holen. Angesichts der Konkurrenz durch immer neue Trendsportarten wollen die Flieger mit ihrem Angebot gegenhalten und wieder mehr Jugendliche für die Fliegerei begeistern und so die drohende Überalterung in den Vereinen begegnen.
Von Frank Behling
Während auf den meisten Flugplätzen die Grasnarbe noch unter einer dicken Schneeschicht begraben liegt, wird in den Hangars und Werkstätten fieberhaft gearbeitet. Die 350 Segel- Motor- und Ultraleichtflugzeuge der 26 schleswig-holsteinischen Luftsportvereine sollen spätestens im nächsten Monat startklar sein. „Das ist eine Menge Arbeit, die aber am besten im Verein zusammen gemacht werden kann”, erklärt Flugzeugwart Lutz Metzinger vom Kieler Luftsportverein. „Das genau ist unser Problem. Die Fliegerei kann man nicht nebenher betreiben, da muss man sich schon engagieren”, sagt Martin Busch, Präsident des Luftsportverbandes Schleswig-Holstein. Besonders die Jugend wolle sich nicht mehr auf eine einzige Aktivität festlegen.
Das Wichtigste bei der Fliegerei ist das Zusammenarbeiten. „Ganz besonders Segelfliegen ist Teamarbeit, da braucht man schon sechs bis acht Leute”, erklärt Busch. Dafür bietet dieser Luftsport aber auch etwas ganz besonderes. „Mit 14 Jahren darf man noch nicht Auto fahren, ein Segelflugzeug fliegen darf man aber schon”, erklärt Michael Frank-Stever, Geschäftsführer des Verbandes, der sich am Sonnabend zu seiner Jahresversammlung in Aukrug traf.
Das traditionelle Einstiegsgerät ist dabei das Modellflugzeug. Danach geht es in den Segelflug und mit der Volljährigkeit auch in den Motorflug. Die Motorflieger sind dabei der kostspieligste Bereich. Bei einem Preis von 1,86 Euro pro Liter Sprit und den Start- und Landegebühren muss man da schon tief in die Tasche greifen. Beim Segelflug ist man dagegen schon bei 20 Euro im Monat dabei.
Unter dem Dach des Luftsportverbandes finden sich in den 26 Vereinen auch die Fallschirmspringer, Ballonfahrer und Ultra-Leichtflieger. Es gibt zurzeit etwa 3000 Mitglieder im Land, mit rückläufiger Tendenz. Ein Punkt ist dabei natürlich das Geld. So kostet der Vereinsbeitrag für einen Motorflieger rund 30 Euro im Monat. Und die Wartung der Maschinen muss ebenfalls über die Vereinskasse gedeckt werden. Außerdem muss jedes Sportflugzeug einmal im Jahr zum TÜV. Dafür muss die Maschine bei einem vom Luftfahrtbundesamt abgenommene Luftfahrttechnischen Betrieb durch einen Prüfer am Boden und in der Luft getestet werden. „Bislang sind wir dafür nach Lübeck geflogen, doch der Betrieb dort schließt jetzt, so dass wir wohl nach Hamburg oder noch weiter fliegen müssen”, berichtet Sportflieger Uwe Steinke.
Bei der Ausübung ihres Sports sehen die Flieger dem Sommer 2006 mit gemischten Gefühlen entgegen. „Es gibt immer mehr Sperrgebiete. Und jetzt sollen auch noch die Fußballstadien dazu kommen”, stöhnt Steinke. Dazu kommen immer neue Sicherheitsüberprüfungen, die im Zuge der Anti-Terrormaßnahmen vom Innenministerium verlangt werden. „Alle Sportflieger müssen eine Zuverlässigkeitsüberprüfung
durchlaufen”, berichtet Busch. Dabei werden jetzt Dinge abgefragt, die jeder Sportflieger ohnehin im Zusammenhang mit dem Erwerb der Flugerlaubnis vorlegen muss, wie zum Beispiel ein polizeiliches Führungszeugnis.
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