2000-2009
| 19.09.2002 Holsteinischer Courier | Zurück zur Übersicht |
"Cabrio fahren" über den Wolken
Aukrug (kl)
Das Segelfliegen an sich ist für "Otto- Normalverbraucher" schon Abenteuer genug. Aber die Cracks vom Segelflug-Aukrug, die schon 500 Starts hinter sich haben, brauchen ab und zu einen besonderen "Kick": Zum Beispiel Flüge im offenen Oldtimer-Doppelsitzer - bei Sonnenaufgang über den Wolken, mit Liedern und Gitarrenbegleitung. Eine Woche lang konnte man beim Segelfliegen in Aukrug die Haare im Wind flattern lassen und in luftiger Höhe einen Rundumblick über den Naturpark und (Dank der "Super-Sichten" an manchen Tagen) bis zur Eckernförder Bucht und Elbe genießen. Das kuriose Gefährt, das dieses einmalige Abenteuer ermöglichte, ist ein Flugzeug-Oldtimer, in den 50er Jahren in England hergestellt. Die "Slingsby" gehört zur einen Hälfte Allan Harris als Lünen im Ruhrgebiet, zur anderen Hälfte einer 15-köpfigen Haltergemeinschaft. Auf der Suche nach einer besonderen Attraktion für das Typenfliegen der Luftsportjugend in Kropp suchte Jan Grage, Landesjugendleiter der schleswig-holsteinischen Segelflieger, den Kontakt zum Cabrio-Eigentümer. Der war sofort bereit, sein Prachtstück nach Schleswig-Holstein auszuleihen. Sohn "Phips" Harris brachte den Flieger und wies die Aukruger ein. Und die waren völlig begeistert. "Das ist ein echtes Spaßgerät", sagt Grage. Dass man nebeneinander sitzen könne, sei eine "seltene Konfiguration: "Um die Flugzeuge schlanker und moderner zu machen, hat sich die Anordnung hintereinander durchgesetzt." Echt britisch sei nicht nur der Union Jack am Heck, sondern auch Höhen- und Geschwindigkeitsmessung. 60 bis 120 Stundenkilometer ist der Oldie schnell. "Wie Cabriofahren" sei das, meint Volker Nötzold. Der hat vor der Saison einen K8-Einsitzer von seiner Haube befreit und kennt sich im Cabrio-Fliegen gut aus. Aber zu zweit nebeneinander sei das eben noch viel toller. "Einmal haben wir einen Flug mit Gitarre gemacht", berichtet Nötzold. Um 5.45 Uhr seien sie aufgestanden, ergänzt Grage: "Dann mussten wir warten, dass sich der Nebel etwas lichtet, und dann sind wir in den Sonnenaufgang gestartet." Nötzold, der beschreibt, wie "unten alles in weiße Watte gepackt war", habe an seiner Klampfe gezupft, und dann hätten die beiden über den Wolken gesungen: "Im Frühtau zum Flugplatz wir ziehen, fallera."
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