1930-1979
| 20.05.1978 Kieler Nachrichten | Zurück zur Übersicht |
Während die Eltern in ihrem "Vogel" über die Wiesen kurven... ... toben die Kinder auf vereinseigenem Spielplatz
Aukrug (Ge) Am Sonnabend, 27. Mai, kann der Segelflugverein Aukrug auf sein fünfjähriges Bestehen zurückblicken. Dieser Tag soll festlich mit Gästeflügen und einem abendlichen Ball für die Freunde des Segelflugsports begangen werden.
Viel ist in den fünf zurückliegenden Jahren geschehen. Von den elf Gründungsmitgliedern, die damals in der Gaststätte „Rübezahl" in Böken beschlossen, einen eigenen Segelflugverein auf die Beine zu stellen, sind nicht mehr viele übrig. Nicht jedermann bringt die unendliche Zeit und Geduld auf, aus dem Nichts einen florierenden Segelflugverein aufzubauen. Doch heute wissen die drei Männer aus der Kernmannschaft, daß ihr Schritt, sich vom Luftsportverein Itzehoe zu lösen, allen Unkenrufen zum Trotz richtig war. Denn Segel-, Motor- und Militärflieger vertragen sich auf die Dauer nicht gut. Und heute müssen die Motorflieger den „Hungrigen Wolf" endgültig räumen, denn dieser Flugplatz wird von der NATO beansprucht.
Fünf Jahre Segelflug: das bedeutet 10.000 Starts, 23 A-, 21 B-, 17 C-Prüfungen und 6 Silber-C-Plaketten für Mitglieder des Segelflugvereins. Das bedeutet aber auch intensive Schulung mit dem Erfolg von elf erworbenen amtlichen Luftfahrerscheinen. Und das bedeutet mühsame Aufbauarbeit. Das Gelände mußte hergerichtet werden, eine Halle und eine Werkstatt für die inzwischen auf elf Maschinen angewachsene Flotte mußten gebaut werden.
Auch Kleinholz gab es: zweimal Totalschaden, davon einmal mit Personenschaden. Die Segelflieger sprechen nicht gern davon. Aber jeder Sport trägt ein gewisses Risiko an Leib und Leben in sich. Die Segelflieger, die häufiger in der Luft sind, haben deswegen auch einen Fallschirm dabei, „falls mal jemand anklopft", wie der Vorsitzende des Segelflugvereins Aukrug, Alfred Havenstein, bei einem Rundgang durch das Gelände sagte.
Am Himmelfahrtstag 1973 hatten Bürgermeister Jensen und der Landtagsabgeordnete H. W. Fölster die ersten beiden Maschinen des Vereins auf die Namen „Aukrug" und „Schleswig-Holstein" getauft. Es waren recht betagte Vögel, die zunächst grundüberholt werden mußten. Aber als Zweisitzer waren sie bestens für die Schulbetrieb geeignet.
Schon im ersten Jahr wuchs der Mitgliederbestand auf 23 an. Nach der Fernsehserie „Die Erben Lilienthals" setzte ein regelrechter Run auf den Segelflugsport ein, so daß der Aukruger Verein einen Aufnahmestopp verfügen mußte. Mit 36 Aktiven, davon allein 15 Flugschülern, ist die Kapazität des Platzes fast erschöft.
Besonders stolz sind die Aukruger Segelflieger auf ihre neuen Funkgeräte, die es ihnen ermöglichen, sich aktiv am Umweltschutz zu beteiligen. Bei Überlandflügen, aber auch bei Platzrunden, beobachten sie die Welt unter sich und können bei Bedarf über die Bodenstation Polizei und Feuerwehr alarmieren.
Segelfliegen im Aukrug ist familienfreundlich. Während Vati oder Mutti in ihrem Vogel über Wiesen und Äckern kurven, können die Kinder auf dem vereinseigenen Spielplatz toben. Im vergangenen Jahr fuhren zwölf Segelflieger mit Kind und Kegel und drei Maschinen zu einem Segelflugurlaub nach Österreich. In diesem Jahr veranstaltet der Verein für seine segelflugbegeisterte Jugend im Aukrug ein Fliegerlager.
Segelfliegen hält fit. Mit 76 Lenzen ist Ernst Wilkerling, ein pensionierter Lehrer aus dem Aukrug, der älteste Aktive. Er kann zugleich in diesem Jahr auf ein halbes Jahrhundert am Steuerknüppel zurückblicken.
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